Praxis: Alltagsbetrieb im Kesselhaus

Kesselhaus

Als Kesselhaus bezeichnet man ein Gebäude, in dem ein Dampfkessel mitsamt seiner Feuerung aufgestellt wird. Architektonisches Kennzeichen eines alten Kesselhauses ist mindestens eine verglaste Seitenfront, damit im Falle einer Verpuffung aus dem Kessel oder aus der Feuerung nicht gleich das gesamte Gebäude zerstört wird, sondern nur die zugehörigen Fensterscheiben.

Brennstoffe

Für gewöhnlich kommen Brennstoffe in fester Form in Dampfkesselfeuerungen zur Verwendung. Diese sind: Holz, Torf, Braunkohle, Steinkohle, Koks und Briketts. Zu erwähnen sind noch die Briketts , welche aus Braun- wie auch aus Steinkohlengrus unter Anwendung von sehr hohem Druck zusammengepreßt werden und ihrer Trockenheit wegen viel zur Verwendung kommen. Wie viel Brennstoff in der Stunde verbrannt werden kann, richtet sich nach Zugstärke, Brennmaterial und Rostart. Ein qm Rostfläche kann in der Stunde verbrennen: Steinkohle bis 100 kg, Koks bis 75 kg, Braunkohle bis 90 kg.

Speisewasser

Das Wasser an sich besitzt die Eigenschaft, eine ganze Anzahl von Stoffen aufzulösen. Gerade diese Eigenschaft des Auflösens ist die Ursache, daß das Speisewasser niemals reines Wasser ist, wie es zum Speisen der Dampfkessel eigentlich gebraucht wird. Im Allgemeinen beurteilt man das Speisewasser nach seiner Härte. 1 Härtegrad ist gleich 1 g Kalk in 100 Liter Wasser. Hartes Wasser hinterläßt nach dem Verdampfen eine Kalkkruste, den Kesselstein. In Wasser gelöster Kalk läßt sich entweder durch Auskochen entfernen, oder durch Anwendung von Gegenmitteln aus dem Wasser ausscheiden. Das billigste, beste und deshalb auch gebräuchlichste Gegenmittel ist Soda. Außer der Soda gibt es noch eine ganze Menge anderer Gegenmittel, z.B.: Stärke, Glyzerin, Kartoffeln, Algen, Salz, Zucker.

Dampf

Dampf ist das gasförmige Produkt aus erhitztem Wasser. Ist der Dampfkessel geschlossen, so verdichtet sich der Dampf und beginnt einen Druck aufzubauen. So lange Dampf über einer Wasseroberfläche ist, befindet sich derselbe in gesättigtem Zustand. Wird gesättigter Dampf in einem wasserfreien Kessel weiter erhitzt, so wird es überhitzter oder gespannter Dampf. Gespannter Dampf besitzt ein großes Expansionsvermögen. Ebenso besitzt derselbe einen sehr großen Wärmevorrat.

Rostbedienung

Der Rost erfordert die Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit des Heizers in hohem Maße. Der Zweck eines Rostes ist: das Brennmaterial vollständig und rauchlos zu verbrennen. Auf der Mitte des Rostes ist immer eine dünne glühende Schicht zu unterhalten.

Feuerung

Die Verbrennung ist ein chemischer Prozess. Man versteht darunter die Oxidation eines Materials (hier Kohle) mit Sauerstoff unter Flammen-Bildung (Feuer). Bei unvollständiger Verbrennung (zu wenig Luft für die Verbrennung) wird nur ein geringer Teil der durch das Brennmaterial erzielbaren Wärme genutzt. Soll die Feuerung ökonomisch sein, so ist dafür zu sorgen, dass die für die vollständige Verbrennung erforderliche Luftmenge in den Feuerraum gelangt.

Um eine möglichst vollständige Verbrennung zu erzielen und gleichzeitig eine zu hohe Temperatur im Feuerraum zu vermeiden, sollte mit einem gewissen Luftüberschuss gearbeitet werden, d.h. es wird mehr als die zur Verbrennung erforderliche Luft zugeführt. Andererseits ist jedoch darauf zu achten, dass dieser Luftüberschuss nicht zu groß ist, damit die im Feuerraum erhitzte Luft nicht zusammen mit den Heizgasen in den Schornstein abzieht, was zu Wärmeverlusten führt.

Der Luftzutritt erfolgt durch den Rost, auf dem sich die Kohle befindet. Soll dieser gleichmäßig sein, so muss die Kohle den Rost möglichst vollständig bedecken. Der Heizer muss auch öfters das Feuer schüren und die Schlacke entfernen. Zu große Kohlenstücke werden am Rost nur außen entzündet, während sich im Innern durch trockene Destillation brennbare Gase entwickeln. Es ergibt sich eine unvollkommene Verbrennung und die Dampferzeugung nimmt nach frischer Beschickung zunächst ab. Eine zu hohe Schicht des Brennmaterials behindert also nicht nur die vollkommene Verbrennung, sie wirkt sich außerdem auch nachteilig auf den Heizkessel aus. Die optimale Schichtenhöhe hängt vom Brennmaterial ab, auch darauf hat der Heizer zu achten. Die Regulierung des Zuges darf niemals über die Heiztür erfolgen, sondern ist ausschließlich über den Rauchschieber vorzunehmen.

Manometer und Sicherheitsventile

Asche und Schlacke

Die unverbrennbaren Teile der Kohle fallen als Asche durch den Rost bzw. sie bleiben als Schlacke auf dem Rost liegen. Je weniger Rückstände die Kohle aufweist, desto besser ist deren Qualität. Feuchtes Brennmaterial ist zu vermeiden, da das Wasser im Feuerraum verdampft und der Dampf eine bedeutende Wärmemenge über den Schornstein verliert. Zugleich besteht die Gefahr des Rostens der Kesselwände. Nur staubfeine Kohle muss vor dem Aufwerfen auf den Rost angefeuchtet werden. Um einen ungehinderten Luftzutritt am Rost zu ermöglichen, ist durch den Heizer die Asche in bestimmten Zeiträumen zu entfernen.